Die eingangs genannten Probleme
lassen sich aber inzwischen sehr zuverlässig durch erprobte De-Icing und
Anti-Icing Verfahren in den Griff bekommen. Als Enteisungsmittel kommt dabei ein
auf über 80°C erhitztes Gemisch aus Wasser und Glykolalkohol zum Einsatz, das
sogenannte Anti- and Deicing Fluid (ADF).
Two-Step
Das ADF wird in der Regel in einem
sogenannten "Two-Step" Verfahren verwendet. Im ersten Schritt wird mit einem
geringen Glykolanteil das Flugzeug von Schnee und Eis gereinigt. Dabei wird das
Flugzeug von den Flügelspitzen nach innen mit Hochdruck abgespritzt und die
Enteisungsreste rutschen von der Flugzeugstruktur. Im "Step-Two" wird der
Glykolanteil erhöht, aus dem ADF wird eine geleeartige Masse, die am Rumpf und
den Tragflächen haftet. Das aufgetragene ADF zögert so eine Neuvereisung hinaus.
Durch die physikalisch-chemische Eigenschaften des ADF wird die Schutzschicht
beim Start von der Flugzeugstruktur geblasen. Ab zirka 30 Knoten verliert die
zähflüssige Anti-Icing Masse ihre molekulare Haftfähigkeit und fließt ab. Das
Flugzeug kann nun aerodynamisch sauber und eisfrei abheben.
Holdover-Time
Der Schutzfilm wirkt übrigens nur
eine begrenzte Zeit. Diese Spanne wird "Holdover-Time" genannt. Wird die
Haltezeit überschritten und das Flugzeug ist nicht in der Luft, muss die gesamte
Enteisungsprozedur wiederholt werden.
Klareis
Obwohl die offizielle
Enteisungs-Saison von Oktober bis April dauert, kann auch im Sommer die
Entfernung von Klareis notwendig werden. Bei kurzen Transitzeiten und relativ
niedrigen Außentemperaturen bis um die 15°C kann der nach der Landung bis zu
-30°C kalte Treibstoff bei Regen zu Vereisung auf der Tragfläche führen.
Fahrzeuge / Schulung
Am
Allgaeu Airport kommen zum Einsatz Fahrzeuge der Typen
"Elephant".
So
wird ein "Elephant-Beta" nur noch von einer Person bedient. Von dem nun
geschlossenen und klimatisierten Hubkorb aus kann der Bediener nun sowohl das
Fahrzeug selbst steuern, als auch seine Kabine zur Enteisung in die richtige
Höhe fahren. Abstands-Sensoren und Videokameras unterstützen ihn bei diesem Job,
da der Sprühkopf für das ADF teilweise nur 50 cm von der Flugzeugstruktur
entfernt geführt werden muss.
Für
diese verantwortungsvolle Aufgabe müssen die Crews der Enteisungsfahrzeuge
regelmässig geschult und trainiert werden. Das Ausbildungsproramm beginnt dafür
bereits im Sommer.
Remote Position
Das
eigentliche Enteisen wird üblicherweise "Remote", also entfernt vom Vorfeld
durchgeführt. Dafür existieren gesonderte Enteisungsflächen in der Nähe der
Startbahnköpfe, auf denen die Enteisungsfahrzeuge auf ihren Einsatz warten.
Remote-Enteisung hat dabei zwei Vorteile. Zum einen wird die Enteisung näher zum
eigentlichen Startzeitpunkt durchgeführt, zum anderen kann das ADF auf den
"Remote"-Flächen zentral gesammelt und einem Recycling zugeführt werden.
Bordeigenes Enteisungsystem
Trotz sorgfältiger Enteisung am
Boden, kann es auch während des Fluges zu Eisbildung am Flugzeug kommen. Beim
Durchflug durch Luftschichten mit hoher Luftfeuchtigkeit wie Wolken oder
Regengebiete kann sich Eis an den Tragflächen und dem Rumpf ansetzen. Flugzeuge
sind aus diesem Grund mit bordeigenen Enteisungssystemem ausgerüstet. So kann
bei modernen Verkehrsflugzeugen heiße Luft von den Triebwerken abgezapft und
duch die Flügelvorderkanten geleitet werden. Bei kleineren Regionalmaschinen
kann der Eispanzer auf den Flächenvorderkanten durch mit Druckluft aufblasbarer
Gummibalgen aufgebrochen werden. Darüber hinaus exisiteren elektrisch beheizende
Systeme, die kritische Sensorik wie Höhenmesser und Pitotsonde eisfrei
halten.
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