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Ein Himmel voller Flieger

von Thomas Weiss

Keine Frage: Der Allgäu Airport boomt, oder besser er brummt. Die Passagierzahlen schnellen in die Höhe, die Verbindungen werden Woche für Woche ausgeweitet: Erst Hamburg, Berlin, Mallorca, mittlerweile Thessaloniki und Tel Aviv, Brindisi und Bremen, Kiew und Kattowitz, Stansted und Stockholm. Zum Herbst zählt Memmingen über 120 Starts und Landungen pro Woche.
Die Fliegerei ist für das Allgäu zum wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Die international tätigen Unternehmen werden davon profitieren. Und der Tourismus: Menschen fliegen ins, danach hoffentlich aufs Allgäu. Und die Allgäuer kommen günstig zu neuen Urlaubszielen und erweitern ihren Horizont – den „Ballermann“ mal ausgenommen. Eines ist aber auch klar: Mit einem stetig expandierenden Memminger Flughafen wird’s im Luftraum über uns immer enger. Das Funkfeuer bei Kempten, das den Piloten bei der Navigation hilft, sorgt schon seit langem hoch droben für unzählige weiße (aber glücklicherweise auch leise) Kondensstreifen. Doch die stählernen Kolosse kommen immer tiefer. Und Tausende Menschen in der Region – längst nicht nur diejenigen, die in der Einflugschneise wohnen – sorgen sich: um ihre saubere Luft, um ihre Ruhe, um ihre Sicherheit. Ein heruntergefallener Tankdeckel und eine Notlandung bescherten der ansonsten so florierenden Fliegerei im Allgäu zuletzt auch Negativ-Schlagzeilen. Selbst im über 30 Kilometer entfernten Norden von Kempten halten sich die Menschen in den Gärten inzwischen die Ohren zu, weil die Passagierflugzeuge im Sinkflug auf Memmingen bedrohlich tief gekommen sind.
Ändern lässt sich daran wohl nichts mehr, behaupten zumindest die Experten. Flughöhen und Anflugstrecken seien unabhängig vom Flugaufkommen längst vor Inbetriebnahme des Allgäu Airports bestimmt worden. Das betroffene „Bodenpersonal“ unten wird sich also daran gewöhnen müssen, dass künftig noch mehr große lärmende Vögel über ihm kreisen. Und wer sich damit nicht zurechtfindet, der muss eben öfter im Jahr mal einen „Abflug“ machen. Kostet ja fast nichts mehr: für zehn Euro nach London, für 20 nach Sardinien oder für dreißig nach Palma. Hauptsache, es brummt.
Quelle: Memminger Zeitung vom 03.08.2009

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