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Die Flughäfen in Memmingen und Friedrichshafen

Airports locken Fluggäste mit neuen Zielen

MEMMINGEN/FRIEDRICHSHAFEN - Große Pläne haben die Geschäftsführer der regionalen Flughäfen in Memmingen und Friedrichshafen. Während man am Allgäu Airport mit dem Einstieg des Billigfliegers Ryanair die Zahl der Passagiere verdoppeln will, visiert man am Bodensee-Flughafen langfristig die „magische Marke“ von einer Million Fluggästen an.

Sieben neue Strecken und eine halbe Million neue Passagiere – es ist ein großes Geschenk, das Ryanair-Chef Michael O’ Leary dem Flughafen Memmingen im März gemacht hat. Von einem „zweiten Standbein“ für seinen Flughafen spricht der Allgäu-Airport- Geschäftsführer Ralf Schmid, fragt man ihn nach der Bedeutung des sogenannten Billigfliegers für Memmingen. Ryanair soll den aufstrebenden Airport, der gerade einmal zwei Jahre jung ist, für Gäste aus dem Ausland zum „Gate to Bavaria“ machen. Urban klingt auch der Werbetitel „München-West“ mit dem sich der Flughafen präsentiert.

Ähnlich selbstbewusst gibt sich der Geschäftsführer des Airports in Friedrichshafen. „Wir sind ein alteingesessener Flughafen. Und unsere Region lohnt sich für jede Airline“, erklärt Hans Weiss. Während die Geschäftsreisenden am Allgäu Airport rund ein Drittel der 462 000 Passagiere (2008) ausmachen, liegt ihr Anteil in Friedrichshafen bei 60 Prozent. Der Rest sind Touristen: „Durch unsere Lage ziehen wir natürlich Skifahrer an“, erklärt Weiss. Auch im Sommertourismus stecke noch Potenzial: „Nimmt man das kulturelle Angebot hinzu, den Badetourismus oder die Golfplätze in der Region, kann man von einem Ganzjahrestourismus bei uns sprechen.“

Der Flugplan des Airports Friedrichshafen mit insgesamt 35 Destinationen und jährlich rund 650 000 (2008) Passagieren reicht vom isländischen Reykjavik im Norden bis nach Hurghada in Ägypten im Süden. Von Memmingen aus können Passagiere 23 Ziele anfliegen. Nördlichster Punkt ist im Moment Dublin, doch Geschäftsführer Schmid wünscht sich Wachstum im skandinavischen Raum. Auch Urlauber aus Polen, Ungarn oder Rumänien will er verstärkt über seinen Flughafen in die Region holen. Durch Ryanair, neben Tuifly die zweite große Airline in Memmingen, kommen Ziele in Großbritannien und Spanien, zum Beispiel Girona und Reus bei Barcelona und Alicante, hinzu.

Doch Ryanair-Chef Michael O’ Leary hat seine Fühler nicht nur nach Memmingen ausgestreckt. Seine Maschinen heben bereits seit April 2002 vom Flughafen Friedrichshafen aus ab.

Wachstum hat höchste Priorität

Wachstum hin zu mehr Passagieren und einem umfangreicheren Flugplan hat in Memmingen wie in Friedrichshafen höchste Priorität. Die Verkehrsanbindung spielt auf dem Weg zu diesem Ziel eine wichtige Rolle. Rolf Schmid sieht sich mit der Nähe des Allgäu Airport zu den Autobahnen A7 und A96 optimal aufgestellt. Beim Einzugsgebiet liege der Fokus auf dem bayerischen Raum. In Friedrichshafen ist man einige Kilometer von der Autobahn entfernt. „Wir sind aber gut an den Bahnverkehr angebunden. Außerdem gibt es Busshuttle-Dienste in die Urlaubsregionen“, betont Weiss.

Verbesserungsbedarf sieht er bei der Bundesstraße zwischen Lindau und Friedrichshafen. „Ein mindestens dreispuriger Ausbau, statt der bisherigen zwei Spuren, wäre hier wünschenswert.“ Eine bessere Erreichbarkeit ließe das langfristige Ziel von Weiss, die Grenze von einer Million Passagieren pro Jahr zu knacken, näherrücken. Denn ab dieser Marke könne der Flughafen kostendeckend arbeiten. Auch die Wirtschaftskrise hält Weiss nicht für ein unüberwindbares Hindernis auf diesem Weg: „Wir werden unser Ziel erreichen.“ Spürbar sei die Krise trotzdem: „In Friedrichshafen ist eine stark exportorientierte Industrie angesiedelt, was uns jahrelang vor Krisen bewahrt hat. Doch inzwischen ist gerade dieser Industriezweig betroffen.“

Der Allgäu Airport ist ein junges Unternehmen, das sich etablieren will. „Unsere Airlines fliegen mit großen Maschinen. Dadurch können wir mit wenigen Flügen viele Passagiere bewältigen. Das gibt uns die Chance, schnell zu wachsen“, kalkuliert Schmid. Im Blick hat er stets die großen Konkurrenten in Stuttgart und München. „Wir wollen uns ähnlich aufstellen“, erklärt er und schiebt noch einen Seitenhieb nach. „Nur, dass bei uns die Parkgebühren nicht so hoch sind.“

"Fokus liegt auf Bayern"

MEMMINGEN (aug) - Ralf Schmid sieht die Konkurrenzsituation zum Bodensee-Flughafen gelassen. Sein Unternehmen konzentriere sich eher auf den bayerischen Raum.

SZ: Wie schätzen Sie die Konkurrenz zu Friedrichshafen ein?
Schmid: Ich denke, hier besteht keine größere Konkurrenz, wie etwa gegenüber dem Flughafen Stuttgart. Man fährt über eine Stunde von Memmingen nach Friedrichshafen. Wie der Name schon sagt, ist der Flughafen außerdem vor allem für die Bodenseeregion wichtig. Unser Fokus liegt mehr auf dem bayerischen Raum. Friedrichshafen hat wiederum mehr Business-Kunden. Das liegt daran, dass die Anbindung der Bodenseeregion an die großen Verkehrsachsen vergleichsweise schlecht ist.

SZ: Was streben Sie in Zukunft an?
Schmid: Im Moment haben wir rund ein Viertel Geschäftsreisende, ein Drittel bis 40 Prozent machen Urlauber aus. Der Rest sind Umsteiger, also Autofahrer, die lieber fliegen. Wir wollen in Zukunft verstärkt Ziele in Skandinavien und Osteuropa anbieten. Der Incoming-Tourismus von Menschen, die von dort in unsere Region kommen, soll sich auch noch verstärken.

SZ: Wie wichtig sind Billigflieger für Sie?
Schmid: Man kann heute nicht mehr so scharf zwischen Billigfliegern und „normalen“ Fluglinien trennen. Schließlich bietet auch Lufthansa mit „Betterfly“ günstige Flüge an. Billigflieger sind für uns eine optimale Ergänzung zum bestehenden Produkt Tuifly.

"Gewisse Konkurrenz ist da"

FRIEDRICHSHAFEN (aug) - Hans Weiss sieht sich im Wettbewerb mit Memmingen. Trotz der Unterschiede zwischen den Airports.

SZ: Wie schätzen Sie die Konkurrenz zum Memminger Airport ein?
Weiss: Ich denke, es gibt eine gewisse Konkurrenz. Das liegt einfach an der Nähe zu Memmingen. Die Anreise dorthin dauert halb so lang, wie zu den bisher nächstgelegenen Flughäfen Stuttgart, München und Zürich. Natürlich gibt es gewisse Unterschiede. Wir haben zum Beispiel kleinere Flugzeuge, aber dafür mehr Frequenzen zu den einzelnen Zielen.

SZ: Was streben Sie in Zukunft an?
Weiss: Wir wollen den Incoming-Tourismus weiter ausbauen, etwa den Flugverkehr nach Island. Die Isländer sind reisefreudig, sehen Friedrichshafen als die Mitte Europas und nutzen uns als Ausgangspunkt für Touren bis nach Frankreich. Im Winter wollen wir den Ski-Tourismus aus Osteuropa wieder beleben. Auch in den Verbindungen nach Großbritannien steckt noch Potenzial.

SZ: Wie wichtig sind Billigflieger für Sie?
Weiss: Wir sind ja auf die Interessenlage der Reiseveranstalter angewiesen. Die Airlines suchen sich Zielgebiete aus, die ein profitables Einzugsgebiet versprechen, wie etwa die Region um Friedrichshafen. Ryanair hat in Memmingen ähnliche Kriterien angewendet. Die Fluglinie will mit ihrem Einstieg ganz klar den Einzugsbereich von München anzapfen. Das ärgert uns natürlich etwas, aber dieses Ziel lässt sich von Friedrichshafen aus nicht realisieren. Der Anteil der Billigflieger im Portfolio sollte aber nicht überwiege.
Quelle: Schwäbische Zeitung vom 12.05.2009

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