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Standpunkt von Peter Januschke

Luft nach oben

46.000 Menschen. Eindrucksvoller als durch dieses Besucherinteresse bei den zwei Tagen der offenen Tür hätte das Bekenntnis der Region zum Flughafen in Memmingen kaum ausfallen können. Die Menschen stimmen mit den Füßen ab.
Wichtiger als diese Besucherzahl sind jedoch zwei andere Werte: Die heuer schon 400 000 Passagiere, die den Flughafen genutzt haben und die 175 neuen Arbeitsplätze. Vor allem die Arbeitsplätze sind ein Beleg dafür, dass auch Anlieger kräftig vom Allgäu Airport profitieren. Die Flughafengegner hatten ihnen ja eingeredet, dass sie nur Nachteile haben werden.
Wie gut die Stimmung in der Bevölkerung für einen Flughafen sein kann, zeigt das Beispiel Frankfurt-Hahn, wo ebenfalls ein früherer Militärflughafen für den zivilen Linienverkehr genutzt wird. Dort wünscht man sich sogar mehr stete Frachtflüge, um zuletzt stagnierende Passagierzahlen auszugleichen und weiter zu wachsen. Im Allgäu ist das derzeit kein Thema.
Im Allgäu landet demnächst mit der Germania die zweite Airline neben Tuifly. Damit wird der junge Flughafen fast zum Senkrechtstarter beim Vergleich von Angebot und Passagierzahlen in so kurzer Zeit. Die Fluglinien hoffen, dass sich trotz aller ökologischen Diskussionen und steigender Energiepreise ein seit Jahren stabiler Trend fortsetzt: Weltweit reisen immer mehr Menschen mit Flugzeugen. Von daher ist in Memmingen noch genügend Luft nach oben drin.
Den Allgäu-Airport soll auch schon der eine oder andere frühere Flughafen-Gegner genutzt haben.
Die privaten Flughafen-Betreiber   sind von ihrem Projekt so überzeugt, dass sie das Start-Defizit in Kauf nehmen. Das wurde umso höher, weil sich der Staat mit dem Auszahlen der zugesagten Zuschüsse so lange Zeit gelassen hat.
Dass mit einem neuen Flughafen nicht das schnelle Geld zu machen, sondern wie bei vielen grundsoliden Unternehmungen ein langer Atem nötig ist, zeigt beispielsweise die Aufgabe des ersten Anbieters von Transfer-Bussen. An einem Ersatzangebot wird schon gearbeitet. Das ist auch dringend notwendig, denn im Augenblick müssen die Hotels und Tourismusgemeinden mit aufwendig selbst gestrickten Lösungen einfliegende Gäste in Memmingen abholen.
Dieses Beispiel zeigt auch die große gegenseitige Abhängigkeit von Flughafen und Tourismus. Beide zielen darauf ab, dass viele neue Gäste auf dem Luftweg ins Allgäu kommen. Das ist aber kein Selbstläufer, dafür muss man besten Service bieten und immer wieder kräftig die Werbetrommel rühren.

Quelle: Memminger Zeitung, 25.09.08

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