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Die Freiheit auf zwei Rädern

Faszination Motorrad: Ein Virus, das auch Pfarrer, Models und Schauspieler infiziert – Tausende Besucher beim Biker-Event-Allgäu

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MEMMINGEN Die Maschine bebt, der Wind bläst einem ins Gesicht, rechts und links zieht die Landschaft vorbei. „Es gibt in diesem Moment nur dich, dein Motorrad und die Straße“, sagt Christian Biederer. Seit vier Jahren genießt der Münchner auf seiner röhrenden Maschine das Gefühl, weit weg vom Alltag zu sein. „Für mich ist das Motorrad fahren einfach ausspannen und relaxen.“ Mit seinem Sohn Michael (9) ist er zum Biker-Event-Allgäu nach Memmingerberg (Unterallgäu) gefahren. Insgesamt kamen mehrere tausend Besucher auf das Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts.

Unter ihnen auch der Schauspieler Wolfgang Fiereck. Seit Jahren ist er leidenschaftlicher Motorradfahrer. „Für mich verkörpert ein Motorrad Freiheit“, sagt der 57-Jährige. Sein Vater und auch der Film Easy Rider haben ihn zum Motorrad fahren gebracht. „Wenn ich drei Tage mit meinem Motorrad unterwegs bin, fühle ich mich danach fünf Jahre jünger“, erzählt Fiereck. Warum? „Ich kann dabei einfach die Landschaft genießen und bin mit meinen Gedanken ganz weit weg von allem.“ Hautnah erlebt er so Wetter, Gerüche und wie sich die Umgebung während der Fahrt verändert. Wie es irgendwann langsam dämmert und die Sonne schließlich hinter den Bäumen verschwindet. „Abends falle ich dann in den süßen Schlaf der Erschöpfung und fühle mich einfach sauwohl.“

Von warmem Sonnenschein und dem Geruch nach frisch gemähtem Gras war am Wochenende für die anreisenden Motorradfahrer rund um Memmingen nichts zu spüren. Nein, ein grauer, wolkenverhangener Himmel und kräftiger Regenschauer empfing die Biker von nah und fern. Pfarrer Rudolf Klaus aus Mauerstetten (Ostallgäu) kam trotzdem mit seiner Maschine zum Biker-Gottesdienst. Schon als Kind hat er – während er die Motorradfahrer im Oberjoch beobachtete – davon geträumt, später selbst einmal zu fahren. Er liebt nicht nur den Wind, der einem beim Fahren um die Nase bläst, sondern auch die Freundschaft zu anderen Motorradfahrern. „Man fühlt sich gut aufgehoben“, sagt Klaus. Dass er als Pfarrer gerne flott auf zwei Rädern unterwegs ist, damit hatte er nie Probleme. „Es ist in Ordnung, wenn ich sonntags mit dem Motorrad unterwegs bin, solange ich abends zur Maiandacht wieder da bin“, erzählt der Geistliche augenzwinkernd.

Nicht eines, sonder 17 Motorräder besitz Manfred Hämmerle aus Wangen (württembergisches Allgäu). Sein ganzes Leben dreht sich für den 48-Jährigen um Motorräder. Er fährt nicht nur selbst, sonder verkaut sie auch. Beides macht er mit Leidenschaft. „Motorrad fahren ist für mich wie ein Klappschalter umlegen“, gerät Hämmerle ins Schwärmen. Auch für ihn ist das Motorrad ein Stück Freiheit.

Auch Mai-Lin, die einzige Stuntfahrerin Deutschlands, genießt auf dem Bike das Gefühl „total frei zu sein“. Dabei ist sie mehr durch Zufall dazu gekommen. „Eigentlich sollte ich nur Model für eine Motorrad-Zeitschrift sein.“

von Anna Feßler, Memminger Zeitung, 14.07.2008

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