von Niko Dirner
Stefan Roell tut’s schon länger, Richard Groer seit kurzem: Immer mehr
Unternehmer aus der Region fördern den AllgäuAirport .
Ein „Solidarbeitrag“ für eine bessere Infrastruktur, kommentiert der
Flughafenchef.
Memmingen/Region. Wo Kampfflugzeuge parkten, wird gefeiert. So stellt sich der
Weißenhorner Unternehmer Richard Groer das Bikertreffen vor, welches er im Juli
auf dem weitläufigen Gelände des heutigen Allgäu
Airports bei Memmingen veranstaltet. Die einst von der Luftwaffe genutzte
Anlage sei wegen der „optimalen Anreisemöglichkeiten“ von München und Lindau
über die A 96 oder Ulm und Kempten über die A 7 ein „ideales Eventgelände“.
Eben diese Erreichbarkeit mache den jungen Flughafen auch als solchen
zukunftsträchtig, meint Groer. Deshalb hat sich der 47-Jährige an der
Betreibergesellschaft beteiligt.
Immer mehr Unternehmer und Unternehmen aus Ulm und dem Landkreis Neu-Ulm
steigen als Gesellschafter bei der AllgäuAirport
GmbH & Co KG ein. Rund 60 Namen umfasst die Liste der so genannten Kommanditisten inzwischen, und sie wird länger und länger. „Das ergibt sich so,
über Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagt Flughafen-Geschäftsführer Ralf Schmid.
Wobei er natürlich „etwa im Rahmen eines Events in Ulm“ Firmenchefs, die ihm
vorgestellt werden, auf das Thema anspricht. Werben kann er aber nicht mit
einer Rendite oder gar mit Gratis-Flügen. Als Gegenleistung gibt es nur
Stimmrechte in der Gesellschafterversammlung. Deshalb appelliert Schmid an die
„unternehmerische Weitsicht“: Ein Flughafen sei eben „eine Investition in die
Daseinsvorsorge“, die Einlage ein „Solidarbeitrag“ zur Verbesserung der
Infrastruktur der Region, die sich ja „Innovationsregion“ nennt.
Das sieht auch Alexander Motz so, Inhaber des Illertisser Bauunternehmens Kurt
Motz, die seit Januar am Flughafen beteiligt ist. „Wir sind mit dem geringsten
Teil eingestiegen“, sagt er – und zwar nachdem seine Firma am Ausbau des
Airports beteiligt war: Bagger aus Illertissen hoben unter anderem Gräben für
die Erweiterung der Landebahnbefeuerung aus. Der Einstieg sei aber nicht
erfolgt, um sich weitere Aufträge zu sichern, beteuert der Ingenieur. „Die
Arbeiten müssen ja eh ausgeschrieben werden.“ Man baue ohne Beteiligung auch am
Flughafen München mit. Er halte den Flughafen bei Memmingen für eine „gute
Institution“, die es nach dem Abzug der Bundeswehr zu erhalten lohne. „Je mehr
mitmachen, desto mehr Möglichkeiten tun sich auf.“
Tatsächlich ist der Flughafen Allgäu seit
dem Start des Linienverkehrs im Juni 2007 auf Expansionskurs: Ging es anfangs
von Memmingen aus nach Berlin, Hamburg, Venedig, Mallorca, Antalya und Kreta,
so stehen jetzt elf Ziele im Flugplan, die Gesellschaft Tuifly hat zwei Jets
vom Typ Boeing 737 stationiert. Geschäftsführer Schmid rechnet in diesem Jahr
mit einem Passagieraufkommen von rund 400 000 Reisenden. 600 000 Fluggäste
müssten es sein, um wirtschaftlich zu arbeiten. „Die schwarze Null wird erst in
Jahren stehen“, sagt Schmid. Hohe Verluste am Anfang – die Gegener sprechen von
einem Betriebsdefizit von 1,9 Millionen Euro – seien bei einer Projekt dieser
Größe normal.
Die Gesellschafter jedenfalls stehen zum Airport :
Die meisten steigen mit 100 000 Euro ein, und viele haben ihre Einlage
inzwischen erhöht. Die höchste Summe kam von den an der Allgäuer Regional- und
Investitionsgesellschaft mbH beteiligten Gebietskörperschaften wie den Städten
Kempten und Kaufbeuren sowie den Landkreisen Ostallgäu und Oberallgäu: 1,6 Millionen
Euro. 10,5 Millionen Euro Eigenkapital hat die GmbH gesammelt, 6 Millionen Euro
seien geplant gewesen, sagt Schmid. Das Geld wird investiert, als nächstes in
weitere Parkplätze, die Flugsicherung. 20 Millionen Euro sollen in einem
Zeitraum von 15 Jahren verbaut werden.
Der Freistaat gibt 7,3 Millionen Euro auf zehn Jahre verteilt. Allerdings
handelt es sich dabei nur um eine 50-Prozent-Förderung, heißt: Erstmal muss die
Betreibergesellschaft selbst Geld aufbringen, dann legt der Freistaat die
Hälfte drauf. Deshalb sind die Unternehmer unverzichtbar. Die meisten kommen
freilich aus dem Allgäu , aber von jeher
warb Geschäftsführer Schmid auch an Donau und Iller um Unterstützer. Als erste
hatten sich Thilo Butzbach aus Illertissen (Vorsitzender des Clubs der
Industrie Ulm/Neu-Ulm) und Stefan Roell aus Ulm (Vorsitzender Südwestmetall)
zum Airport bekannt. Beide fliegen auch
selbst viel, haben Kunden, die durch die Luft anreisen und sagen: Der Flughafen
Stuttgart sei heute schon überlastet. Von Anfang an dabei war auch der Kreis
Neu-Ulm.
Neu dazugekommen aus der Region sind auch die Ulmer Drogeriemarktkette Müller
sowie die NPS Bauprojektmanagement GmbH aus Ulm. Von beiden Firmen gab es
keinen Kommentar. Man wolle Teil des Netzwerks sein, teilt die Neu-Ulmer Kanzlei
Schneider, Geiwitz & Partner lediglich mit. Sie ist ebenfalls neu im Kreis
der Kommanditisten. Der soll noch größer werden, sagt Flughafen-Chef Schmid und
kündigt mehr Werbung in Ulm und dem Kreis Neu-Ulm an. Schließlich sei die
Region noch näher an Memmingen, als das eigentliche Allgäu .







